Früher

Früher hatte ich lange Haare, einen kleinen schwarzen Hund namens Trotzki, ein Ferienhaus in der Eifel und einen Mann, der mich betrog. Das war mein erster Ehemann und ich seine zweite Ehefrau. Mittlerweile ist er schon wieder verheiratet. Ob er diese Frau auch betrügt?

Ich glaube fast ja, denn die erste hat er auch betrogen. In Die Kirschen in Nachbars Garten steht es ja wunderbar erklärt, was das heißt, fremdspringen, warum man es tut und dass das eigentlich nichts mit dem Partner zu tun hat. Sondern nur mit sich selber. Und dass man, wenn man dieses „selber“ nicht bearbeitet, es immer und immer wieder tut. Weil es eben einen Grund hat.

Heute, nach so vielen Jahren, kann ich das nur bestätigen. Ich glaube nicht, dass ich damals in der Lage gewesen wäre, es zu verstehen. Zu tief war ich verletzt. Wir haben es natürlich nochmal versucht, Paartherapie, neue Wohnung, vorübergehende Trennung, die ganze Palette. Da er aber sein „selbst“ nicht antastete, blieb letztendlich alles beim alten und am Ende stand dann unweigerlich die Scheidung.

Ich bin jetzt, rechnerechne… seit 15 Jahren aus dieser Ehe entlassen und ganz ehrlich, ich muss mich anstrengen, wenn ich da noch etwas genau erinnern will. Es ist wie ein Film, den ich gesehen habe, mehr aber auch nicht. Wie eine Episode aus Lindenstraße. Ich kann mir diesen Menschen mir nah gar nicht mehr vorstellen, es ist wirklich, als ob es mir einer erzählte und ich sagte, sie müssen sich irren, das bin nicht ich.

Ich bin es aber. Das ist meine Vergangenheit. Sie tut nicht mehr weh. Sie war einfach nur da. Wie meine langen Haare. Sonst nichts.

 

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