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Erinnerungen und die Liebe

bunt-001Gestern hatten wir Jahrestag, mein Freund und ich 😎 zwei Jahre sind wir schon zusammen, unglaublich ist das, es kommt mir alles so wie gestern vor, wirklich. Ja, am Internationalen Frauentag sind wir das erste Mal miteinander spazieren gegangen, am Rheinufer. Die Sonne schien und es war wunderschön!

Das Bild wurde ein Jahr zuvor aufgenommen, im Zimmer meiner Mutter im Pflegeheim. Die akute Krebsbehandlung lag hinter mir und ich hatte wieder eine echte Frisur 😎 Doch ich war geschafft, ich glaube, das sieht man. Die Zeit war nicht leicht. Wirklich nicht. Es waren harte Jahre gewesen, die ich hinter mir hatte und ich wollte wieder in die Sonne. Ich wollte den Sommer riechen und die Liebe fühlen.

Das ist mir gelungen 😎 auch wenn wir beide wirklich harte Zeiten hinter uns haben. Aber jetzt geht es uns gut, was sagt mein Freund immer „ich bin ein glücklicher Mann“ 😄 und ja, da stimme ich ihm zu, ich bin eine glückliche Frau!

Krebs ist kein Pappenstiel (was ist das überhaupt, ein Pappenstiel?) und eine fürchterliche Trennung kann auch an die Nerven gehen. Aber wir schlagen uns tapfer und wir lassen uns nicht unterkriegen. Heute haben wir die Flüge nach Edinburgh gebucht. Nein, unterkriegen lassen wir uns nicht!

warum…

…sind wir nicht, wie alle sind, verlieben uns ineinander und ziehen gefälligst zusammen, in ein schönes Häuschen und teilen Tisch und Bett, Rente und dreckige Handtücher, ich mach die Wäsche und er betankt das gemeinsame Auto? Warum um alles in der Welt müssen wir das „französische Modell“ leben, ist doch viel teurer mit zwei Wohnungen und wenn man sich sehen will, muss man sich verabreden…

Nein, nein und nochmals nein, ich will nie wieder „ein Geld“ haben! Ein Geld? Das muss ich Euch erzählen 😎

Ich war jung und frisch verliebt, das ist jetzt 33 Jahre her 😮 also sehr jung und verliebt. Mein damaliger Freund und späterer Ehemann und ich wohnten in einer Wohngemeinschaft, zusammen mit meiner Freundin. Und wir hatten ein Haushaltsbuch. Mit drei Spalten. Sie, er, ich. Wie das so ist in Wohngemeinschaften. Und wir waren so verliebt. Und so verliebt und oberblöd äh… wie wir waren, beschlossen wir, händchenhaltend und plingplingguckend und sich irre angrinsend… wir haben nunmehr ein Geld! Wir teilen Bett (naja, Matratze, damals noch arme Studenten), dreckige Handtücher… und den ganzen Kram und nun auch das Geld miteinander. Sein Geld ist mein Geld und mein Geld ist sein Geld. Unser Geld. Ein Geld. Und als Ausdruck unser umfassenden Plingplingverliebtheit nahmen wir das Haushaltsbuch und änderten die drei Spalten (sie, er, ich) in zwei Spalten: sie, er&ich. Echt jetzt. Kein Scherz. Wir waren halt jung und blöd… äh verliebt 😎

Meine Freundin kam von der Uni nach Hause und wir strahlten sie an, schau mal, was wir gemacht haben, wir teilen jetzt alles miteinander, wir haben jetzt ein Geld… natürlich bemerkte sie sofort, dass unser Verstand plingplingmäßig ausgesetzt hatte und die Fähigkeit zu rechnen kurzfristig abhanden gekommen war. Wir ließen uns durch nichts überzeugen, ein Geld ist ein Geld und also haben wir nur eine Spalte und nicht mehr zwei. Wir gehören zusammen und Menschen, die zusammen gehören, haben keine zwei Spalten. Das ist unsinnig. Verliebte gehören in eine Spalte. Das ist eine Plingplingwahrheit. Das ist so. Gesetz!

Mit Mühe konnte sie uns davon überzeugen, dass sie von drei gekauften Äpfeln nur einen zu zahlen bereit ist, es dauerte eine Weile, bis wir begriffen, dass eine gemeinsame Spalte nicht das Einmaleins außer Kraft setzt, und wenn wir uns noch so spaltenmäßig lieben 😎

Wir haben, wieder in die Normalität zurück gekehrt, noch Jahre über diese Geschichte herzhaft gelacht. Seit dem ist „ein Geld“ das Synonym für zusammenkleben ohne die Realität zu sehen.

Die Ehe hat übrigens nicht gehalten. Lag aber nicht an dem ein Geld und auch nicht an zwei Geld 😉 wir passten einfach nicht so recht zusammen. Das ist so lange her, dass ich vieles wirklich nicht mehr weiß. Wie auch immer, zusammen kleben kommt für mich nicht mehr infrage. Dann schon eher das französische Model.

Meinem Freund geht es übrigens ähnlich, zwar aus völlig anderen Gründen, aber kleben ist auch für ihn völlig undenkbar geworden. Das hat sich ja nun wunderbar getroffen, zwei Antiklebies 😛 die jeweils ihre eigene Spalte behalten wollen 😎

Aber eins kann ich Euch verraten, wenn man jung ist, dann ist man manchmal wirklich blöd 😫 wenn es auch wunderbar war 😎 einmal so richtig blöd sein darf man im Leben, das gehört einfach dazu!!

 

mein Freund hat es gut 😎

Das sagt er immer wieder selber, das schicke ich vorweg 😉 dass er es gut hat, nämlich weil ich so gerne koche und er also in den Genuss des bekocht werdens kommt 😋 Es stimmt, ich bin eine leidenschaftliche Köchin, für mich gibt es nichts schöneres, als in der Küche mit Lebensmitteln rumzuhantieren, zu schnippeln, zu brutscheln, zu rühren, zu kneten… mit nie nachlassender Begeisterung stehe ich inmitten meiner vielen vielen Küchenutensilien und werkele herum.

Und demnächst auch mit einer Tajine. Ich wusste gar nicht, dass es dieses Ding gibt. Gefunden habe ich es, wo auch sonst, als ich im Internet nach Rezepten suchte. Es ist so ähnlich wie ein Römertopf, nur ein bisschen anders 😜 und mir liegen solche Gerichte ja sowieso. Ich sehe uns schon im Sommer auf dem Balkon sitzen, die mit Köstlichkeiten gefüllte Tajine zwischen uns, und das Leben genießen!

Aber erst einmal wird gepilgert, nein, nicht ich, mein Freund. Er geht einen Monat den Camino del Norte entlang, hat schon reichlich Reisefieber und freut sich über diese lange Auszeit. Und damit er auch ja wieder kommt, werde ich ihn noch ein wenig verwöhnen 😎 dafür eignet sich eine Tajine ja hervorragend. Leider nicht auf dem Balkon, aber ich glaube, das tut den Köstlichkeiten keinen Abbruch 😊

Und hier ein paar Impressionen aus meiner Küche:

„mein Freund hat es gut 😎“ weiterlesen

Zahlenspiele

Gibt es langweilige Zahlen? Definitiv, gibt es. Wie das? 😎 Ich habe schon als Kind den Menschen um mich rum eine Zahl gegeben. Warum weiß ich nicht, aber das war so. Mein Vater war eine 5. Warum kann ich nicht mehr sagen, aber ich wusste schon vor der Schule, dass er eine 5 ist. Nicht wertend gemeint, sondern vom Gefühl. Und darum gibt es für mich auch langweilige Zahlen.

48 zum Beispiel ist eine solche. Oder 32. Totaaaaal langweilig 😎 35 ist ok, 37 auch, die 38 ist spießig…. und so habe ich alle möglichen Zahlen mit allen möglichen Gefühlen. Und oft auch Menschen, denen ich Zahlen gegeben habe. Manchmal kamen auch Farben dazu. Mein Vater war oft braun. Eine braune 5. Aber manchmal war er auch grün. Meine Mutter war übrigens eine gelbe 8.

Vielleicht sind Kinder so. Keine Ahnung, ist auch egal, für mich war es so. Und das Gefühl, dass es langweilige Zahlen gibt, das ist geblieben. Als ich 32 wurde, fand ich das doof. Eben weil die Zahl langweilig war. 42 war ok. 47 war super. 50 war ok. 52 wieder spießig. 56 fand ich doof, ich bin froh, dass ich sie los bin. Ab heute habe ich eine lustige 57 😎

 

 

mein Arbeitsplatz

Links neben dem Fernsehturm, da sieht man ein Gebäude, so ein Klotz, der in der Mitte durchsichtig scheint, da arbeite ich, im Stadttor. Normalerweise, wenn es mir richtig gut geht, zwei Tage in der Woche. Derzeit geht es mir richtig gut und es klappt auch. Ansonsten arbeite ich zu Hause, ich habe einen modernen Telearbeitsplatz.

Zu Hause ändert sich ja grad mal wieder alles 😎 mein neuer Mitbewohner hat mit seiner Freundin seine Schlafzimmermöbel rangekarrt, er kämpft auch mit der Situation, immerhin ist es sein Elternhaus. Und dass er dahin wieder zurückkehrt, das hätte keiner gedacht, wirklich keiner.

Nun gut, so ist das Leben. Manchmal ist es anders als man denkt 😎

 

Leben in Amerika

1983 bin ich ein viertel Jahr durch Amerika gereist, ich war 24 und voller Tatendrang, ich übernachtete in European Youth Hostels, das kostete damals 5 bis 7 Dollar die Nacht, war also unschlagbar günstig. Warum die Dinger European hießen weiß ich nicht mehr, nur dass man da als Amerikaner nicht wohnen durfte. Also eigentlich. Uneigentlich wohnte dort alles, was 5 Dollar übrig hatte… 😎 Doch da traf ich tatsächlich fast nur Europäer und Australier, einen Japaner, der mit dem Fahrrad um die Welt reiste. Den traf ich in New York, sein teures Fahrrad mit 1000 Ketten an dem Treppengeländer im Haus festgemacht. Wenn er gekonnt hätte, hätte er es sicherlich mit ins Bett genommen.

New York war eh skurril, der Polizist, der für das Viertel zuständig war, bewahrte in der Jugendherberge seine Sixpacks Beer auf. D.h. in regelmäßigen Abständen klopfte es an die Scheibe, einer ging zur Türe und machte dem Cop auf, der kam reingewankt und zog sich zwei, drei Dosen Bier rein und verschwand wieder. Dafür wurde die Jugendherberge nicht kontrolliert und dort konnte schlafen und wohnen wer wollte. Zum Beispiel eine junge illegal eingereiste Mexikanerin, die krank im Bett lag und wir sammelten Geld für Medikamente. Ab und an kam ein Arzt. Es ging ihr sehr schlecht, aber was sie hatte weiß ich nicht mehr.

Ich kam jedenfalls tief beeindruckt von diesem Land zurück in meine Heimat. Damals Köln. Amerika hat sich verändert seither. Wie, das weiß ich nicht zu sagen, politisch lese ich viel darüber, aber wie das Leben dort ist? Ich habe mir gedacht, wozu gibt es Blogs, bestimmt gibt es auch Blogs über das Leben in Amerika und heute möchte ich den ersten vorstellen:

Das Leben auf einer Farm in Colorado.

Soukh

Vor 24 Jahren war ich das erste Mal in Bahrain, der neuen Heimat meiner Schwester. Das Land hat sich unglaublich verändert. Was früher unmöglich war, ist heute Alltag. Die Welt dreht sich halt immer weiter. Damals war es das Satellitenfernsehen, heute ist es das Internet, was Wünsche weckt, Sehnsüchte anstachelt… und die Welt verändert. Ob wir es wollen oder nicht, es ist so.

Heute wie damals liebe ich den Soukh (deutsche Schreibweise) in Manama, den alten traditionellen Markt. Der, wenn sich seinerzeit die örtlichen Politiker durchgesetzt hätten, schon längst abgerissen worden wäre. Der moderne Bahraini geht in die Shopping-Malls, der Markt ist mit der Zeit überflüssig geworden. Denn heutzutage wird nicht mehr gefeilscht, die Waren werden simpel in Einkaufswagen gelegt und zur Kasse gerollt (die Einkaufswagen sind so groß, dass mindestens zwei Kleinkinder und die wöchentliche Ration Lebensmittel hineinpassen), das überaus meiste ist eh in China hergestellt. Doch dann wurde den Entscheidungsträgern schnell klar, wie wichtig dieser Markt für den Tourismus ist. SO stellt sich der westlich geprägte Mensch den Orient vor. Kleine Hutzellädchen, übervoll mit Kram, davor im Schneidersitz ein traditioneller Moslem, natürlich mit Turban, der mit ihm über den Preis feilscht. Hutzellädchen stimmt, Kram auch, Moslem weniger, Turban schon mal gar nicht, doch den Bahrainies gehören die Läden, Verkäufer sind Inder oder Pakistani, billige ausländische Arbeitskräfte.

Ab von all diesen Gedanken habe ich mich damals, da war der Markt noch zu Fuß von der Wohnung meiner Schwester aus zu erreichen, in diesen Soukh verliebt. Das Treiben dort, damals war es noch nicht touristisch, die kleinen verwinkelten Gebäude, die steilen Treppen in die oberen Etagen, wo die Waren hergestellt oder gelagert wurden, jenachdem, was es war. Wurden Kleider angeboten, hörte man von oben das Rattern der Nähmaschinen. Da die Näher (allesamt aus Indien oder Pakistan) bei ihrer Arbeit sowieso sitzen, waren die oberen Etagen oft nicht höher als 1,60 Meter. Und als Lagerraum eignet sich so ein niedriges Zimmer schließlich auch. Toiletten? Irgendwo am Rande des Marktes.

In Deutschland UNMÖGLICH. Absolut unmöglich. Nicht mal die Baugenehmigung für die erste Treppenstufe wäre erteilt worden. Geschweige denn die wilde Stromverkabelung zugelassen. Feuerschutz gab es nicht. Ein Brand hätte verheerende Folgen gehabt. Es gab keine Fluchtwege, aus den oberen „Etagen“ wäre niemand lebend herausgekommen. Das hat sich zwar ein wenig geändert, aber die Stromverkabelung ist, wenn man sie sich genauer betrachtet, auch heute noch äußerst abenteuerlich. Gebrannt hat es übrigens, allerdings Nachts und zu Schaden gekommen ist niemand. Ein erneuter Ruf nach Abriss wurde laut, doch dann hat man den Markt neu aufgebaut und die Nähmaschinen rattern jetzt Parterre 😎

Autos sind ÜBERALL zugelassen, ohne Auto geht hier gar nichts!

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Mein absoluter Lieblingsladen!! Seit ich nach Bahrain fahre, muss ich dahin, Haushaltswaren auf orientalisch, ich könnte Stuuuuuunden darin verbringen und hätte ich einen Koffer mit Garagenausmaße und ließe sich dieser wie ein normaler Koffer transportieren, ich garantiere Euch, der Laden wäre nach meinem Besuch halbleer!! Ich bin Haushaltswarenladenjunkie 😎 echt jetzt. Es gibt für mich nichts schöneres, als meine Küche mit Krempel zu füllen, den man mal gebrauchen könnte. Ich hätte gerne 1000 Töpfe und… aaaaaaah… 😜 ich liiiiiieeeebe Küchenutensilien… 😍😍😍😍

Mein Lieblingshaushaltswarenladen vom gegenüberliegenden Handarbeitsladen fotografiert. In diesem Handarbeitsgeschäft bekommt man alles, was es bei uns nur noch im Internet gibt. Wirklich alles.

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Gold darf natürlich auch nicht fehlen 😉

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Orientgedanken oder…

IMG_2916IMG_2922…wie wäre es, ein ganz anders leben zu führen. Darüber sprach ich eben mit meinem Freund, der wie ich im ÖDie arbeitet, meinem heißgeliebten Öffentlichen Dienst. Nein, ich will jetzt nicht die Diskussion lostreten, dass im ÖDie alles super… ist es nicht! Aber es ist eine andere Art, sein Leben zu planen. Ich habe 1977 mit der Ausbildung zur (und jetzt haltet Euch fest) Reg.Insp.Anw. (echt jetzt, im ÖDie wird alles abgekürzt und das heißt ausgeschrieben Regierungsinspektorenanwärterin) begonnen. Damals der zweite Jahrgang an einer Fachhochschule. Wir haben Beamte von der Pike auf gelernt. So richtig. Heute bin ich Oberamtsrätin a.L. wirklich, also das erste stimmt, a.L. habe ich hinzugefügt. Das heißt „aus Leidenschaft“. Wirklich jetzt, ich bin es aus Leidenschaft. Ich liebe meine Arbeit, ich tue sie gerne, ich finde den ÖDie wichtig, vieles ist Murks und gehört abgeschafft, aber im Grunde ist er wichtig.

Doch das will ich jetzt nicht erzählen. Ich will von meinen Gedanken sprechen, die ich so hatte, als ich in dem „Direktorinnenzimmer“ saß und mir vorstellte, ich wäre nicht in den ÖDie gegangen. Sondern ich hätte sowas gemacht wie mein Schwager, der sich in vielen Jahren harter Arbeit eine Firma aufbaute. Harte Arbeit heißt (und das weiß ich von meiner Schwester) in jungen Jahren schon bis in die Nacht Programme entwickeln, nach vielen vielen Stunden Tagen Wochen Monaten Jahren dieser harten Arbeit den Schritt in die Selbständigkeit wagen und dann weitere Jahre schuften, bis der Laden endlich läuft und erfolgreich ist und dann nicht weniger schuften, weil der Laden läuft und erfolgreich ist. Im Gegenteil, die Arbeit wird eher mehr.

Abgesehen davon, dass ich das nicht gewollt hätte, wäre diese andere Art zu leben auch was für mich gewesen? Diese fehlende Sicherheit, die man im ÖDie nun mal hat? Wäre die tägliche Hektik was für mich gewesen? Das ewige sofort und gleich und jetzt und nix duldet Aufschub?

Ich habe dieser Tage den Luxus einer Was-wäre-wenn-Gedankenreise, deren Voraussetzungen aber so ganz und gar nicht zutreffen, die man aber trotzdem mal einfach so machen kann. Gedanken sind ja bekanntlich frei, haben wir jedenfalls in der Grundschule immer gesungen. Also ich sitze ja jetzt in dem mittleren von drei Direktorenzimmern der Firma meines Schwagers. Ursprünglich, um zu schreiben, ich arbeite grad an Reisegedanken – Gedankenreisen, aber heute habe ich dann in meinem ganz alten Job gearbeitet, ich habe meiner Schwester bei der IT geholfen. Dabei musste einiges mit ihr besprochen werden, sie flippte aber ständig hin und her und war mal da und mal dort, Besprechung, Telefonate, Bewerbungsgespräche via Skype… und ich war froh, wenn ich sie mal für Minuten erhaschen konnte. Und kam so auch in Wallung…

Es machte Spaß. Muss ich zugeben. So arbeite ich ja nun schon seit Jahren nicht mehr, und als dann der Feierabend näher rückte und alles ein wenig ruhiger wurde, ich wieder in dem Direktorinnensessel vor mich hinsinnierte, da stellte ich mir vor, wie ich in diesem Zimmer…

Das sind die Voraussetzungen, die nicht stimmen, von denen ich eben sprach. Ich hätte zunächst einmal Karriere machen müssen, um überhaupt in dieses Zimmer zu kommen. Ich hätte den täglichen Konkurrenzkampf mitmachen müssen, um überhaupt in die Richtung dieses Zimmers… als Schwägerin des Firmenchefs, zu Besuch aus Deutschland… da geht alles. Da kann ich mich in den Direktorinnensessel setzen, kriege Tee gebracht von dem Küchenmädchen, der Pförtner hält mir die Türe auf, gehöre ich schließlich zur Familie vom Boss… DAAAA kann ich dann fein denken und mir vorstellen, was wäre wenn…

Nein, da jetzt mit den Gedanken spielen, ist schön, jaaaa, das hätte ich gerne… aber dahin kommen – nein. Dahin kommen hätte ich nicht gewollt. Das ist einfach so. Ich bin tatsächlich Oberamtsrätin a.L. und mehr nicht. Aber auch nicht weniger. Ich bin was ich bin. Ich bin da, wo ich bin. Es ist, wie es ist und es ist gut so.

Wenn einem der Pförtner die Türe aufhalten soll (das ist hier im Orient so, regt Euch also nicht auf, so schnell rennen, das man es schafft, die Türe selber aufzumachen, kann nicht mal Usain Bolt), dann muss man dafür bestimmte Dinge tun, Wege gehen, Leistungen erbringen, andere wegdrücken… das alles hätte ich nicht gewollt. Ich bin und bleibe eine Beamtenseele. Auch das ist einfach so.

Mein Freund übrigens auch. Wir sind uns da sehr ähnlich und das ist schön. Zwei ÖDies sozusagen 😛 Oldies und ÖDies 😋

Aber ganz ehrlich, es gibt härtere Dinge im Leben…

😇 …und außerdem, der Pförtner hält mir doch die Türe… AUA! Nicht hauen! 😩

Im Orient

1992 war ich das erste Mal in Manama, der Hauptstadt Bahrains. Damals gab es noch kein Internet und alle „freizügigen“ Darstellungen von Frauen waren verboten, was darin gipfelte, dass auf der Verpackung eines aus Europa importierten Kinderplanschbeckens die dort abgebildete Familie partiell verdunkelt wurde, soll heißen, die Mutter war geschwärzt, hatte sie doch einen Bikini an. Und das ging, jedenfalls damals, gar nicht.

Jahre später, das Internet hatte überall Einzug gehalten, besuchte ich mit meiner Schwester den größten Supermarkt der Stadt. Mit unseren NICHT zu vergleichen. Nicht Kaufhaus, Supermarkt. Lebensmittel und so. Und auch das, was Supermärkte nebenher anbieten, unter anderem Fernseher. Und da war doch bis zur Hallendecke eine damals so genannte Videowand aufgebaut, die aus lauter Fernsehern bestand, die man halt kaufen sollte und die zusammen ein Bild ergaben. Und das war Shakira in ihrer vollen Pracht – Bikini ist voll bekleidet dagegen – räkelte sich über die Fernseher verteilt und sang ihr neuestes Lied.

Und keiner von den arabischen und sonstigen Männern stand staunend davor… nein, man hatte sich mittlerweile an leicht bekleidete Frauen gewöhnt. Gewöhnt hatte man sich damals zwar noch nicht an die bislang unbekannte Magersucht, aber sie hielt – wie so vieles aus der westlichen „Zivilisation“ – auch Einzug.

Wenn ich heute nach Bahrain komme, dann erinnert nicht mehr viel an die damalige Zeit, als meine Schwester gefühlt die einzige Frau war, die einen Führerschein hatte UND mit dem Auto herumfuhr. Jedenfalls unter den Einheimischen. Für eine Frau war es einfach nicht schicklich, mit dem Auto zu fahren, unabhängig davon, dass sie es hier rein rechtlich schon lange durfte.

Heute sitzt in mindestens jedem dritten Auto eine Frau. Mindestens. Also am Steuer. Heute gibt es keine Videoleinwände mehr, weil eh alles einen Flachbildschirm hat, meist in Kinoleinwandgröße. Hier ist fast alles XXL. Auch die Familien. Noch. Denn auch das wird sich ändern. Wie so vieles. Wie auch bei uns. Denn auch unsere Mutter war damals, 1958, die erste Frau im gesamten Bekanntenkreis meiner Eltern, die einen Führerschein hatte UND Auto fuhr. Das war zu der Zeit wirklich was besonderes. Und dass Vater sie „fahren ließ“ 😛 auch das war besonders.

Die Welt ändert sich. Unaufhörlich. Und es wird immer Menschen geben, die dagegen Sturm laufen. Die Welt hat sich immer geändert. Wieso glauben eigentlich so viele, dass sie so bleiben müsse, wie sie ist? Hat da jemand im Geschichtsunterricht nicht aufgepasst? Die Welt hat sich IMMER verändert und sie wird es weiterhin tun. Ob uns das nun passt oder nicht.

Und noch was ändert sich, das Klima, denn sowas hat es „früher“ in Bahrain nicht gegeben (der Tankwagen saugt im übrigen das Regenwasser auf und bringt es weg, weil es nicht mehr abfließt – ungewöhnliche Probleme verlangen halt nach ungewöhnlichen Lösungen):

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Veränderungen

Derzeit bin ich auf der Suche nach der richtigen Farbe für meinen Blog, Ihr müsst also entschuldigen, dass sich der Hintergrund immer mal wieder ändert. Das Dunkle war mir zu dunkel 😎 aber das helle jetzt finde ich ok. Wir werden sehen, ob es dabei bleibt 😉

Ansonsten habe ich jetzt tatsächlich ein MacBook pro gekauft. Dafür hat mein Freund gestern sein iPad zertrümmert 😓 hätte ich dicken flauschigen Teppichboden in der Küche, wäre das nicht passiert. Aber wer hat schon dicken flauschigen Teppichboden in seiner Küche? Eben. Ich habe zudem Steinboden. Und das war’s dann. Splitter und vorbei.

Und jetzt gehe ich mit meinem kleinen alten Hund. Muxi. Der Rücken hat. Jeden Tag Pillchen bekommt, seither geht es besser. Er ist alt. Wird immer schwerhöriger und vor allem sturer 😜 ich sag’s ja immer: Hunde sind auch nur Menschen 😋

muxie