Mein Vater

Heute ist ein Erinnerungstag, ich schwelge in Erinnerungen. Telefonierte eben mit meinem Vater, der auf dem Bild hier schlappe 20 Jahre jünger war, da war ich… rechnerechne… 34. Mein Gott, vierunddreißig, das muss man sich mal überlegen. Was habe ich damals gemacht? Mit Absoluter Hingabe und Begeisterung in der IT gearbeitet, die damals noch EDV hieß. So ziemlich als einzige Frau weit und breit. Glaubt heute kein Mensch mehr. Na jedenfalls telefonierte ich mit meinem Vater. Wir sprachen über Mutter. Und dass er doch viel viel früher hätte erkennen müssen, dass sie Alzheimer hat. Hätte hätte Fahrradkette. Das fängt ja alles ganz langsam an. Das glaubt man ja nicht, man glaubt es einfach nicht.

Man glaubt so vieles nicht. Habe heute einen sehr guten Spruch gelesen: Manchmal muss man Dinge laut aussprechen, damit man sie hört und sie wahr werden. Das stimmt. Wie komme ich überhaupt auf all das? Ach ja, Erinnerungen. In denen ich schwelgte. Jetzt habe ich aber genug geschwelgt, jetzt noch eine letzte Hunderunde und dann ins Bett. Gute Nacht!

zurück aus Berlin

1963 oder 64 muss das gewesen sein. Wir haben Mutters Eltern, meine Großeltern besucht, die damals noch in Berlin wohnten. Auf dem Flughafen Düsseldorf war ein Fotograf, der ungewollt Bilder machte, die man dann kaufen konnte. Was meine Mutter offensichtlich getan hat. Denn sonst gäbe es diese Aufnahme nicht.

Meine Mutter war da 25 oder 26 Jahre alt. Den Mantel hat sie sich übrigens selbst genäht, mangels Geld hat sie uns fast alles selbst genäht. Ohne jeh einen Nähkurs besucht zu haben. Sie hat immer Wert auf gute Kleidung gelegt und mein Vater erzählte mir mal „um Deine Mutter haben mich damals alle beneidet“.

Und jetzt ist sie so furchtbar krank.

Meine Mutter

Das ist meine Mutter. Da wusste sie noch nicht, dass sie mal meine Mutter wird. Da war sie 16 und voller Hoffnun und unglaublich talentiert, was nähen anging, auch dieses Kleid hat sie sich aus Resten und was sie im Nachkriegsberlin so auftreiben konnte zusammen genäht. Ich habe lange nicht gewusst, wie sehr mich meine Mutter geprägt hat. Erst so langsam begreife ich es.
Mütter sterben nicht. Gleichen alten Bäumen.
In uns leben sie und in unsren Träumen.
Wie ein Stein den Wasserspiegel bricht,
zieht ihr Leben in dem unsren seine Kreise.
Mütter sterben nicht, Mütter leben fort auf ihre Weise
– Verfasser unbekannt –

Kugeln vor 40 Jahren

Vor einigen Wochen war ich mit meinem Mann in Wuppterthal auf einem Flohmarkt. Wir kamen ziemlich spät dort an und nach kurzer Zeit wollten einge Leute ihre Sachen einfach nur noch los werden und einpacken. So auch die beiden netten älteren Frauen mit lauter Haushaltskrams. Wir wollten es partout nicht kaufen und so lächelten sie sich an, lächelten uns an, nahmen einen riesengroßen Plastiksack und stopften ihn mit Dingen voll. Unter anderem mit Kartons voller alter silberner Weihnachtskugeln.

Da war dann die Idee geboren, dass ich dieses Jahr so einen Baum mache, wie unsere Oma ihn immer gemacht hat. Mit silbernen Kugeln und echtem Lametta aus Staniolpapier. Dank eBay habe ich mir die noch fehlenden Dinge ersteigert und so werde ich also dieses Jahr einen Baum der Erinnerung schmücken. Mit richtig alten wunderschönen Weihnachtskugeln, so, wie sie damals halt Mode waren. Mit echtem Lametta. Alles in Silber.

Ich kann Euch gar nicht sagen, wie sehr ich mich dieses Jahr auf das Weihnachtsfest freue!! Ich habe es mir erkämpft, ich habe so viele Brocken beseitigt und mir dieses ruhige und beschauliche Fest erkämpft. Hajo und ich haben es bisher jedes Jahr geschafft, ein schönes Weihnachtsfest hinzukriegen. Diesmal wird es eins ohne die alten Brocken. Aber mit silbernen Kugeln. 40 Jahre alten silbernen Kugeln.

Ich freue mich so. 

Das Bild von Gott

1952 bauten meine Großeltern ein Haus. In einem Dorf, was noch keins war. Weil es da nur zwei Straßen gab. Die eine und die andere, und da wohnten wir. Naja, Straße ich falsch, es waren Kieswege. 1000 qm Land war bei jedem Haus dabei, heute fast unvorstellbar. Zumal für die Gegend, 15 km von Düsseldorf entfernt. Als ich geboren wurde, 1959, gab es nicht viel mehr, nur dass die Siedler, so wurden sie genannt, nun gute und ertragreiche Gärten hatten. Das brauchten sie auch, weil sie ihre „Waren“ tauschen mussten. Geschäfte gab es keine. Meine Großeltern bauten Kartoffeln und Erdbeeren an. Und die Nachbarnsfamilie hatte Stachelbeeren, da standen wir als Kinder immer und pflückten die Sträucher leer…

Oben in dem Haus wohnten Übersiedler, 12 Jahre Mietzeit, im Gegenzug waren die Baudarlehen verbilligt. Und von den Menschen damals konnte sich keiner ein teures Darlehen leisten, darum lebte in jedem Haus eine polnische Familie und darum liebe ich die polnisch-deutsche Aussprache heute noch sehr. Aber das ist eine andere Geschichte.

Zurück zu meinem Schlafzimmer. Als ich das Bild also fand, da musste ich daran denken, was da in dem Zimmer alles mal war. Ganz zu Anfang war es kein Zimmer, da war es ein Speicher und durch den Speicher führten dicke Kabel, die Stromleitungen. Die Häuser brauchten ja Strom. Und darum sind in den alten Siedlerhäuschen die Sicherungskästen auch in der oberen Etage. Weil der Strom ja von oben kam. Zum Speicher kam man über eine herunterklappbare Speichertreppe. Oma versuchte immer, diese Speichergänge vor mir zu verheimlichen, denn natürlich wollte ich mit. Und wenn ich mit durfte, weil ich sie „erwischt“ hatte, dann musste sie mir alles erklären und ich wollte in jede Kiste schauen und jede Dose aufmachen und meist fand ich etwas, was sich zum spielen hervorragend eignete.

Dann zog die Aussiedlerfamilie aus und meine Eltern zogen ein und weil die Wohnungen so klein waren und ich noch eine Schwester bekam, baute mein Vater das Dach zum Elternschlafzimmer um. Mit Rosentapeten. Das war mein Schulklasse, dort spielte ich nämlich immer Lehrerin und die Rosen waren meine Schüler.

Dann wurde getauscht, das Elternschlafzimmer kam nach unten und wir Kinder zogen nach oben. Da wurden die Rosen dann mit Postern von Sweet und Urea Heep bedeckt, ich fand schon mit 12 langhaarige Männer klasse… aber das ist auch eine andere Geschichte.

Tja und dann bauten meine Eltern ein eigenes Haus direkt neben das Haus der Eltern und in die Wohnung zogen dann meine anderen Großeltern aus Berlin. Aus dem ehemaligen Speicher wurde ein Besucherschlafzimmer, wenn Oma Berlins Verwandte aus der DDR kamen. Und irgendwann schlief Oma Berlin da, weil Opa Berlin so furchtbar schnarchte.

Und irgendwann wurde ich groß und zog fort.

Tja, und wie das Leben so spielt, bekam ich eines schönen Tages eine Stelle in Düsseldorf. Da lebte meine Oma, die mit mir immer auf den Speicher ging, und beide Opas, schon nicht mehr. Und so fragte mein Vater, ob ich nicht vielleicht…

Und so kam ich zurück. Aus dem Besucherschlafzimmer wurde mein Schlafzimmer. Und das ist das Bild, was ich gefunden habe. Nebenan hat mein Vater sogar eine kleine Toilette eingerichtet. Heute ist es das Computerzimmer meines Mannes. Welches ich nicht betrete, weil ich sonst einen Schreikrampf kriege. Das ist auch wieder eine andere Geschichte…

Das Haus wurde noch oft geändert, weil Oma Berlin noch dort lebte und meine Tante und dann tauschten wir fröhlich die Zimmer, weil Oma Berlin konnte keine Treppen mehr steigen und was es sonst noch alles für Gründe gab. Heute lebe ich dort alleine mit meinem Mann. Und dem ehemaligen Speicher, den ich nicht betrete, weil ich möchte meinen Mann gerne behalten und ich weiss nicht, wie ich reagiere, wenn ich …

Und wie kommt Gott da ins Spiel? Nun, unten in der Küche meiner Oma, der Speicheroma, hing ein Bild von Maria, in blau, wie sie eine Treppe herabsteigt und die Hand zum Segen erhebt. Oma, die nie viel von Kirche gehalten hat, aber dennoch Heiligenbildchen liebte, musste mir immer und immer wieder die Geschichte von Maria, der Mutter Gottes, erklären. Das ist also die Mutter von Gott? Nun, sie hat es mir nie richtig begreiflich machen können, Jesus und Vater und Sohn und Gottes Sohn, das war mir alles zu hoch. Logisch denken konnte ich aber schon damals. Wenn es also ein Bild von der Mutter von Gott gibt, dann muss es auch ein Bild von Gott geben. Wo ist das?

Irgendwann hat meine Oma meine Fragerei und mein Drängen nicht mehr ertragen und leichtsinnigerweise gesagt, das Bild von Gott liegt auf dem Speicher.

Halleluja!!

Sie wurde mich fortan nicht mehr los und ich wollte unbedingt das Bild von Gott sehen. Sie hat alle Ausreden der Welt erfunden, um nicht mit mir auf den Speicher zu müssen und wenn ich sie doch wieder mal erwischte, musste sie ihr ganzes Geschick einsetzen, damit ich mich nicht an das Bild von Gott erinnerte.

Ich habe das Bild bis heute nicht gefunden 😉 Leider gibt es das Bild von Maria auch nicht mehr. Vielleicht hat meine Oma beides mitgenommen, denn ich bin mir sicher, dass sie im Himmel ist.

Die, die ich bin

Was sagte mein Lalamann heute, ich habe einen Persönlichkeitskonflikt, der in frühester Kindheit verursacht wurde. Also er hat es natürlich nicht einfach nur so gesagt, ist ja ein Lalamann und kein Hellseher. Ich habe in den letzten drei Wochen einen Prozess durchlaufen, der mir die Tsunamieigenschaft meiner Familie bis ins Detail klar gemacht hat und wie ich darin verfangen bin. War. Ich war verfangen, ich habe es ENDLICH kapiert. Mir wird es noch oft passieren, nur verfangen bin ich nicht mehr. Weil ich nun darum weiß. Und gegensteuern kann. Und seit langem zünde ich mir in meinem Zimmer mal wieder ein Öllämpchen an. Das ist so schön. Es kommt langsam die Ruhe, die, die schon lange in mir war, die zu mir gehört, die ich aber nie leben durfte. Die ich erst jetzt entdecke.

Ein Lalamann ist übrigens ein Mann, mit dem Mann lalalalala redet, und zwar über sich selber. Also ein Mann, der das berufsmäßig macht, einen über sich reden lassen 😉 es gibt auch Lalafrauen, aber ich habe einen Lalamann 😉

Stories from the Middle East

My Sister!!

Heute habe ich ja sowas von geschöpft!! Diesmal aber nicht für mich sondern für meine geliebte Schwester!! Sie hat endlich eine eigene Interntseite und schreibt dort ihre Berichte in Deutsch und Englisch und ich finde das GROSSARTIG!!

Also sie schreibt, aber ich muss die Texte reinsetzen, es ist also ein gar einfaches schöpfen.

Aber ein schönes schöpfen. Lieblingsschwesterlich schönes schöpfen!!

Da, genau da wäre ich jetzt gerne. An „meinem“ Schreibtisch in Bahrain, der natürlich nicht meiner ist. Dort kann ich rausschauen, ich sehe die Palmen, ich höre die Vögel oder den Muezzin rufen. Ach ich wäre jetzt gerne dort. Glaubt mir, ich wäre jetzt wirklich gerne dort.

Der Anfang

Das war der Anfang. Da war ich noch die, die ich sein wollte. Schon immer zu Späßen aufgelegt. Und da komm ich auch wieder hin! Gutgut, ich sehe etwas anders aus 😉 und äh… naja, die Sache mit den Falten und falschen Zähnen und so, aber ich entdecke mich grad neu. Oder sagen wir, ich entdecke die, die ich bin.